Umbau Unterstalden, Visperterminen
Die Erweiterung des historischen Wohnhauses von 1691 versteht sich als präziser architektonischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ziel des Projekts war es, die ursprüngliche Bausubstanz freizulegen, zu stärken und in ihrer Authentizität erlebbar zu machen, während der neue Anbau bewusst als klarer, reduzierter Baukörper ausgebildet wurde.
Im Bestand erfolgte ein konsequenter Rückbau auf die Originalsubstanz. Spätere Einbauten und Überformungen wurden entfernt, um die konstruktive Logik und die handwerkliche Qualität des historischen Gebäudes wieder sichtbar zu machen. Die massiven Strickwände, die dunklen, über Jahrhunderte gealterten Holzbalken sowie die traditionellen Fensteröffnungen prägen weiterhin das Erscheinungsbild. Eingriffe in die bestehende Struktur wurden auf ein Minimum reduziert; wo immer möglich blieb die vorhandene Substanz unangetastet und wird bewusst gezeigt. Die Geschichte des Hauses bleibt ablesbar – mit all ihren Spuren, Unregelmässigkeiten und Materialitäten.
Dem Bestand wird ein moderner Anbau aus Sichtbeton gegenübergestellt, der innen wie aussen in seiner rohen, reduzierten Materialität ausformuliert ist. Der neue Baukörper setzt einen klaren Kontrast zum historischen Holzbau, ohne diesen zu dominieren. Glatte Betonflächen, grosszügige Verglasungen und präzise Details definieren eine zeitgenössische Architektursprache, die sich bewusst vom Bestand abhebt und gerade dadurch dessen Charakter stärkt.
Im Inneren treffen Sichtbeton, naturbelassenes Holz und fein integrierte Einbauten aufeinander. Neue Elemente wie Türen, Treppen und Möblierungen sind zurückhaltend gestaltet und ordnen sich sowohl dem historischen Kontext als auch der Klarheit des Anbaus unter. Übergänge zwischen Alt und Neu bleiben sichtbar und nachvollziehbar – sie werden nicht kaschiert, sondern als gestalterisches Thema inszeniert.
Die Erweiterung schafft zusätzliche Wohnflächen mit hoher räumlicher Qualität und grosszügigen Ausblicken in die Landschaft. Gleichzeitig bleibt der ursprüngliche Charakter des Hauses erhalten. Das Projekt versteht sich als respektvolle Weiterentwicklung eines historischen Gebäudes: Der Bestand wird nicht überformt, sondern freigelegt und gewürdigt; der Anbau ergänzt ihn selbstbewusst und zeitgemäss. So entsteht ein spannungsreicher, aber harmonischer Gesamtbau, in dem Geschichte und Gegenwart selbstverständlich miteinander verbunden sind.


























